Respekt vor der «Stabübergabe»?
Gloralis
Michael Happle (66) reflektiert über die Übergabe von Leitungsverantwortung an die jüngere Generation nach 37 Jahren im Ältestenamt. Kernpunkte: Die Weitergabe von Erfahrung sollte motivierend statt bevormundend geschehen Jede Generation ist anders geprägt und bringt eigene Begabungen mit – das ist positiv (biblische Beispiele: Mose/Josua, David/Salomo, Paulus/Timotheus) Das Erbe der Gemeinde sollte als Fundament, nicht als Ballast verstanden werden Die Aufgabe der Älteren: «Brückenbauer» zwischen den Generationen sein Gegenseitiges Vertrauen ist entscheidend – Ältere sollten Freiraum geben, Jüngere den Wert der Erfahrung anerkennen Teamarbeit prägt die jüngere Generation stärker als die ältere Der Autor begann mit 58 Jahren, über die Übergabe nachzudenken Loslassen erfordert Demut und geistliche Beweglichkeit Fazit: Ein gelungener Generationenwechsel gelingt durch Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft, sowohl loszulassen als auch Verantwortung zu übernehmen.
Schritte mit Potenzial
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Michael Happle
14. November 2025
Vor Kurzem habe ich mit 66 Jahren vollends die Verantwortung für ein Gemeinde-Netzwerk an die jüngere Generation übergeben. In diesem Zusammenhang machte ich mir Gedanken, wie dieser Prozess gelingen kann. Es ist herausfordernd, die vielen Jahre der Erfahrung so an Jüngere weiterzugeben, dass sie sich nicht bevormundet fühlen, sondern motiviert und unterstützt werden.
Es macht einen Unterschied, ob jemand ein Missionswerk leitet, Gemeindeältester ist, einen Verlag führt oder einen Betrieb – ob haupt- oder ehrenamtlich. Die Ausgangslagen sind vielfältig. Und dennoch gibt es Prinzipien, die übertragbar sind.
In 1. Timotheus 3,1 heisst es: «Wenn jemand ein Ältestenamt begehrt, so begehrt er ein köstliches Werk.» Oft wurde ich gefragt, ob das wirklich stimme. Ich kann nur sagen: Ich durfte 37 Jahre lang dieses Amt ausüben und es war die grösste Ehre und Freude meines Lebens, meine ganze Leidenschaft für das einzusetzen, was dem Herrn am wertvollsten ist: seine Gemeinde.
Gibt es eine nächste Generation, die willig ist, Verantwortung zu übernehmen, ist das ein gutes Zeichen und Anlass zur Freude und Dankbarkeit. Wenn ein Hunger nach Gottes Wort da ist, ein Verlangen, es zu studieren und damit zu dienen. Ich sehe es als eine wunderbare Aufgabe für uns Ältere, den Jüngeren Jesus liebzumachen und eine Begeisterung für das Reich Gottes zu wecken – ein grosses Vorrecht. Die Bibel verschweigt nicht, dass dies auch bedeutet, um Jesu Namen willen zu leiden, psychisch wie physisch.
Jede Generation ist anders, das war schon immer so und wird auch immer so sein. Sie wächst unter anderen Bedingungen auf, bringt andere Persönlichkeiten, Perspektiven, Begabungen und oft auch einen anderen Auftrag mit. Mose führte das Volk aus Ägypten, Josua eroberte das verheissene Land. David war der Kämpfer, Salomo der Tempelbauer. Paulus war der Pionier, Timotheus eher der Hirte. Elia war ein Mann des Donners, Elisa ein Seelsorger. Menschen, die nach uns kommen, sind anders – und das ist gut so.